Vor 10 Jahren wäre eine solche Verbindung kaum möglich gewesen. Aber die Zeiten und Marktverhältnisse ändern sich und der Zentralverband des Deutschen Bedachungsfachhandels e.V., (ZDBF) hat sich nach einer längeren Findungsphase in der Branche etabliert. Inzwischen laden sich die Mitglieder zu gegenseitigen Vorträgen bei ihren eigenen Unternehmensveranstaltungen ein. Dafür sorgt ein konstanter Kern von Mitgliedern, „die nicht mehr übereinander, sondern miteinander reden“, wie es Vorstandsmitglied Heinz Slink (FDF) jetzt zur Mitgliederversammlung in Berlin betonte. Heinz Slink: „Man trifft sich anlässlich der Messe DACH+HOLZ oder zum Dachkonvent des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks und bei vielen Gelegenheiten. Aber wo findet speziell der Bedachungsfachhandel Gehör und zueinander. Der ZDBF war dringend notwendig, um wichtige Dinge anzugehen, die uns gemeinsam betreffen.“

 

Vorstandsmitglied Heinz-Jürgen Kemming (COBA), sprach dabei von einer „großen Plattform für Dachspezialisten, von einer großen Familie, die sich trifft um über saubere Vertriebswege zu diskutieren und die Fortsetzung der Qualitätskette Lieferant, Handel, Handwerk optimal zu gestalten.“ Kemming betonte den Mehrwert „Lagerhaltung“, die umfangreiche Logistik, die Beratungsfunktion, die Kreditfunktion und die Übernahme von Forderungsausfällen, die der Handel seinen Kunden und Industriepartnern inzwischen biete. Gleichzeitig würden aber immer mehr Leistungen „zum Nulltarif“ erwartet - aucu hier sei der ZDBF die richtige Basis, „denn“, so Kemming, „es gilt, Hand in Hand mit der Industrie zu arbeiten und das Beste daraus zu machen. Gemeinsamkeit macht alle stark.“ 

Eingangs des Treffens hatte Vorstandsvorsitzender Horst Böckling (ZEDACH eG) auch die Fördermitglieder aus der Industrie begrüßt, und auf das starke persönliche Engagement des Vorstandes im ZDBF hingewiesen. „Dieses“, so Böckling, „hat auch dazu beigetragen, den Dach-Daten-Pool (DDP) ins Leben zu rufen, der heute allen Bedachungsfachhändlern einheitliche Artikelstammdaten zu Verfügung stellt.“ Der Vorstand stellte einige Branchenzahlen vor. So habe das Dachdeckerhandwerk 2014 rund 8,8 Milliarden Euro umgesetzt, was ein Plus von 2,3 % bedeute (Lohn und Material). Erfreut zeigte sich Horst Böckling darüber, dass mit rd. 40 Mitgliedern fast 75 % des Bedachungsgroßhandels im ZDBF organisiert sind und sich inzwischen 17 Fördermitglieder aus der Industrie dem Verband angeschlossen hätten. Böckling betonte, dass dieses Zusammenkommen und insbesondere die Gespräche außerhalb der Tagesordnung ein Pluspunkt für die Bedachungsbranche sei. Hierzu bestand während der zweitägigen Veranstaltung ausreichend Gelegenheit.

Dass der Onlinevertrieb auch in der Dachbranche angekommen ist, war ein Gesprächsthema dieser Tage. Passend dazu brachte Dr. Hudetz (Institut für Handel,Köln), seinen Vortrag „Alles online, oder was?“ mit interessanten empirischen Zahlen und aktuellen Beispielen aus der Branche auf den Punkt. So werde das Internet zukünftig den Wettbewerb aus Handel und Herstellersicht mit prägen. Neben dem traditionellen Käufer zählten junge Menschen bis dreißig inzwischen mehr zu den „Online-Shoppern“. Dr. Hudetz: „Hier gilt es Obacht zu geben, denn diese werden nie wieder zu traditionellen Käufern.“ Das Telefon spiele aber auch bei B2B nach wie vor eine große Rolle, gerade auch bei beratungsintensiven Produkten. Handwerker-Apps und innovative Beratung über Smartphone und I-Pad seien vernünftige Zusatzaspekte, während die „Online-Pure-Player“ wie Amazon eine „Gefahr“ darstellten.

Ein nicht minder interessantes Thema präsentierte der ZDBF seinen Mitgliedern und Förderern mit der „Vertriebsoffensive Dach.“ Denise Spekowius (Kreuter, Bochum), plädierte dafür, den Handwerker nicht mit zu vielen Außendienstmitarbeitern „täglich zu erschlagen“. Handel und Industrie täten gut daran, sich hier klar abzusprechen und evtl. sogar gemeinsam den Kunden aufzusuchen. In einem lebendigen Vortrag sorgte die Referentin für zahlreiche Zwischenfragen und gab interessante Analysen über die Kosten eines Besuches und über die verschiedenen Kundengruppen. Spätestens am Ende ihrer Ausführungen wusste jeder, welcher Mitarbeiter welchen Kunden ganz bestimmt und wen er am besten gar nicht mehr aufsuchen sollte. Denise Spekowius: „11 % seiner Tätigkeit verbringt der Außendienst beim Kunden. 11 % sind super, wenn es beim richtigen Kunden zum optimalen Zeitpunkt erfolgt. Man verliert Aufträge nicht an bessere Produkte oder Dienstleistungen, sondern an bessere Verkäufer.“

Wenig Zeit benötigten die Regularien zur eigentlichen Mitgliederversammlung. Der Vorstand wurde für seine Arbeit einstimmig entlastet, und wer bei dieser Veranstaltung nicht dabei gewesen war, hatte etwas versäumt.